• Sonja Hollerbach

„Der Ulf kann einfach nicht mit Kritik umgehen!“

Aktualisiert: 4. Juni 2019


Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was Ihr negatives Feedback mit Ihrem Mitarbeiter macht? Motivations- und Leistungsmotivation? Falsch gedacht. Eine kurze Faktensammlung, passend zum Montag.


Im Arbeitsalltag stolpern Mitarbeiter unvermeidbar über negatives Feedback – doch was bewirkt negatives Feedback eigentlich? Motivations- und Leistungssteigerung mit Sicherheit nicht. Eine kurze Faktensammlung.


Negatives Feedback hat wohl jeder von uns schon einmal erhalten – denn wir sind alle nicht mit dem Wissen, dem Können oder der Expertise geboren wie wir sie in diesem Moment besitzen. Es wird einige unter uns geben die sich noch genau an die Situation, den Inhalt und den Überbringer des erhaltenen negativen Feedbacks erinnern. 

Oft setzen wir negatives Feedback im Mitarbeiterkontext ein um eine erhoffte Veränderung zum Positiven anzutriggern – um zu besseren Leistungen anzuspornen. Treten wir einen Schritt zurück und versetzen uns für einen Moment in unsere eigenen vier Wände. Aus Ulfs Perspektive gesprochen käme in diesem Szenario seine Partnerin auf ihn zu und – statt Wertschätzung für sein mühevoll zubereitetes Essen zu äußern – weist ihn explizit auf das Chaos an roten Saucenflecken an der weißen Wand hin. Wie Ulfs Reaktion wohl ausfallen würde? So schnell wird er sicher nicht mehr den Kochlöffel für seine Frau schwingen.


Warum nehmen wir also an, dass wir als Menschen im Unternehmenskontext anders reagieren? Versuchen unsere Mitarbeiter nicht kompetent zu wirken, wenn sie alltäglichen Herausforderungen im Berufsleben gegenübertreten? Sollten Sie sich gerade die Frage stellen „ja warum eigentlich?“ sind Sie in diesem Beitrag genau richtig. 


Lassen Sie uns wissenschaftliche Fakten sprechen. Mitarbeiter sind Feedback gegenüber sehr zögerlich, da dieses als Bewertung des eigenen Wertes und der eigenen Kompetenz aufgefasst wird. Entsprechend zählt negatives Feedback zu einem der häufigsten Auslöser immenser emotionaler Belastung. Wut, Frustration, Verärgerung und Enttäuschung bilden dabei die nach außen gerichtete, negative Seite der Medaille. Mein Mitarbeiter lässt Wut ab. Schamgefühl, Unbehagen, Traurigkeit, Verunsicherung und Angst bilden jedoch gleichzeitig die nach innen gerichtete Medaillenseite. Während erstere zu einer offenen Ablehnung des Feedbacks und zu provokanter Arbeitsverweigerung führen kann, greift zweitere das eigene Selbstbild an.


Schlimmstenfalls führt dies zur Aufgabe von Job- und Unternehmenskommitment, reduzierter Arbeitsleistung und innerlicher Kündigung. Was übertrieben und hart klingt wurde durch zahlreiche Forschungsergebnisse bestätigt. Auch aus Geber-Sicht wird negatives Feedback als aufgebürdetes notwendiges Übel angesehen, um das kein Weg vorbeizuführen scheint. 

Betrachten wir mit diesem Wissen die Aussage „der Ulf kann einfach nicht mit Kritik umgehen“, erkennen wir, dass Ulf sicher nicht der einzige Studienteilnehmer von >50 Studien in 30 Jahren gewesen sein kann. Vielmehr steht Ulf für jeden einzelnen von uns. Uns Menschen fällt es nämlich per se schwer mit negativen Rückmeldungen umzugehen. Zu leicht ist es, die haarfeine Trennlinie zwischen negativem Feedback und Kritik zu übersehen. 


Aus meiner Sicht ist sich wiederholendes negatives Feedback eine gefährliche Sackgasse, in die Unternehmen sich durch eine Fehlplatzierung immer neuerer und unpassenderer Feedbacktools und -kanäle, sowie mangelnde Gesprächsqualität verrennen. Oder können Sie Erfolgsgeschichten über Ihr Feedback berichten? In diesem Fall freue ich mich auf unseren Austausch! 


Es gibt tatsächlich vielversprechende Wege, die dieser Sackgasse den Rücken kehren und die Türen zu einer potentialreichen Feedback Zukunft öffnen. Was Unternehmen dazu benötigten? Die Lust aktiv anzupacken um Altes, Verbranntes und Unwirksames Schritt für Schritt aus dem Weg zu räumen, sowie den Willen, den bestehenden vergangenheitsorientierten Fokus zu verlagern...


...denn Feedback kann ein so wertvolles Geschenk sein!


Tipp:

Machen Sie sich der Anzahl der von Ihnen ausgesprochenen negativen Feedbacks bewusst - und reflektieren Sie die Offenheit der Feedbackempfänger Ihnen gegenüber.


Viel Spaß dabei!

Ihre Sonja Hollerbach


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